Behandlung von Alzheimer Demenz
Die Behandlung von Alzheimer
Demenz unterteilt sich in zwei verschiedene Ansätze. Auf der einen
Seite steht die medikamentöse Behandlung mit Antidementiva und auf der
anderen Seite stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen.
Medikamentöse Behandlung
Zur
medikamentösen Behandlung stehen zwei Substanzgruppen zur Verfügung:
Memantine und Acetylcholinesterase-Hemmer. Sie beeinflussen die
Botenstoffe Glutamat bzw. Acetylcholin. Der Wirkstoff Memantine
verbessert die Glutamat-vermittelte Signalübertragung,
Acetylcholinesterase-hemmer verbessern die durch Acetylcholin
vermittelte Signalübertragung.
1. Acetylcholinesterase-Hemmer
Acetylcholin
ist ein wichtiger Botenstoff im menschlichen Gehirn. Bei gesunden
Menschen halten sich Auf- und Abbau dieses Stoffes die Waage. Kommt es
jedoch zu einer Schädigung des Gehirns, die eine verringerte Bildung
dieses Botenstoffes mit sich führt, gerät die Konzentration aus dem
Gleichgewicht, da das verbleibende Acetylcholin mit gleichbleibender
Geschwindigkeit abgebaut wird. Dadurch wird schließlich die Übertragung
der Nervenreize schwächer. Durch Acetylcholinesterasehemmer wird
versucht, die Konzentration von Acetylcholin zu stabilisieren, indem
man das Enzym, welches für den Abbau verantwortlich ist, hemmt.
Acetylcholinesterasehemmer
haben aber keinen Einfluss auf das Absterben der Nervenzellen und
werden daher in den frühen Stadien der Krankheit eingesetzt. Man geht
davon aus, dass diese Medikamente nach neun bis zwölf Monaten ihre
Wirksamkeit verlieren, da dann bereits so viele Nervenzellen
abgestorben sind, dass eine ausreichende Erhöhung des
Acetylcholinspiegels nicht mehr zu erreichen ist.
2. Memantine
Ein
modernes Antidementivum ist der Wirkstoff Memantine, zugelassen zur
Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz. Die negative
Wirkung der bei Alzheimer erhöhten Glutamatmengen im Gehirn wird durch
Memantine reguliert. Der Wirkstoff fördert und verbessert die Funktion
der Nervenzellen. Als Folge können Lernsignale wieder erkannt, der
Patient geistig aktiver werden. Die kognitive Leistungs- sowie die
Gedächtnisfähigkeit (z. B. Erinnern und Orientieren) bleiben länger
erhalten. Die Betroffenen können dadurch z. B. länger in der Lage sein,
Alltagaktivitäten selbstständig zu meistern (z. B. sich waschen, sich
anziehen, essen, zur Toilette gehen etc.). Dies ist für die
Lebensqualität der Betroffenen, der Angehörigen und Betreuer von großer
Bedeutung. Insgesamt kann die Pflege bei Fortschreiten der Erkrankung
erleichtert, eine Heimeinweisung ggf. hinausgeschoben werden.
3. Atypische Neuroleptika
In
den späteren Stadien der Krankheit kann es ratsam sein, die
auftretenden Verhaltensauffälligkeiten des Erkrankten zu behandeln, um
ein Zusammenleben mit ihm angenehmer zu gestalten und ihm seine Würde
zu bewahren. Bei starken Aggressionszuständen, Wahnvorstellungen und
Halluzinationen kann der Einsatz von atypischen Neuroleptika
gerechtfertigt sein. Dieser hat sich bewährt, denn Neuroleptika greifen
gezielt in den Gehirnstoffwechsel des Erkrankten ein und machen ihn
umgänglicher und ausgeglichener, was sich auch auf die
Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten positiv auswirken und die
Arbeit der Pflegenden bzw. der Betreuer erleichtern kann.
Allerdings
ist selbst die beste medikamentöse Therapie keine ausreichende
Behandlung für eine Alzheimer-Erkrankung. Wichtig für den Betroffenen und sein Umfeld ist eine ausgeglichene Kombination aus medikamentöser
und nicht-medikamentöser Therapie.
Nicht-medikamentöse Therapie
Die
nicht medikamentöse Therapie beruht auf einer Reihe verschiedener
Ansätze, die gewährleisten sollen, dass die Pflegebedürftigkeit des
Betroffenen möglichst lange hinaus gezögert wird, dass seine Angehörigen
die Krankheit verstehen lernen und dass der Betroffene solange es geht
seinen Selbstrespekt und Lebenswillen erhält. So wird zum Beispiel in
der sog. Milieu-Therapie besonderer Wert darauf gelegt, dass die
Alltags- und Freizeitaktivitäten des Erkrankten gefördert werden und er
verstärkt in das Familienleben integriert wird. Dies soll, in
Verbindung mit einem einfach strukturierten Tagesablauf, die Beziehung
zwischen dem Erkrankten und den pflegenden Personen stärken und dem
Patienten so ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.
Eine
weiterer wichtiger Therapieansatz ist die sog.
Selbst-Erhaltungstherapie. Diese beschäftigt sich mit den weniger
beeinträchtigten Fähigkeiten des Erkrankten wie dem Langzeitgedächtnis.
Durch gemeinsames Betrachten alter Fotoalben aus seiner Vergangenheit
oder dem Hören alter Musikstücke und gemeinsames Lesen von Buchtexten
kann die Identität des Kranken länger erhalten bleiben. Zudem weckt es
in dem Betroffenen das Gefühl der Kompetenz, da ihm die erhaltenen
Erinnerungen Erfolgserlebnisse verschaffen. Ähnlich verhält es sich mit
der Erinnerungstherapie. Dabei werden, z. B. mithilfe von Fotografien,
positive Erinnerungen in dem Betroffenen hervorgerufen, wodurch sein
allgemeines Wohlbefinden gesteigert wird.
Insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung kann auch
Psychotherapeutische Hilfe ratsam sein, damit der Betroffene sein Leben
trotz Erkrankung, die er ja zu diesem Zeitpunkt bewusst erlebt, als
sinnvoll empfindet.
Anke Tennemann
Dipl. Biologin
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